← Zurück Machu Picchu
Neue Wunder Artikel 2026-03-01 · 15 Min.

Machu Picchu

Die Bergfeste der Inka muss man wohl niemandem vorstellen. Die Inkafeste ist die wohl spektakulärste Anlage ihrer Art nicht nur in Peru, sondern wohl der ganzen Welt.

Machu Picchu liegt in etwa 2450 Metern Höhe und das bedeutet und hat unter allen Wundern dieser Erde die schönste Aussicht. Bis zu 500.000 Touristen zieht es jährlich hierher. Damit ist die Stätte zwar einer der wichtigsten Devisenbringer Perus, wenn die Regierung allerdings nicht bald etwas zum Schutz der Anlage unternimmt, wird sie wohl bald ganz für den Besucherverkehr geschlossen werden müssen. Diese Erkenntnis scheint sich langsam durchzusetzen, ein geplantes Seilbahnprojekt konnte in letzter Minute gestoppt werden.



Machu Picchu heißt übersetzt "Der alte Berg". Auch wenn die Vokabel "entdeckt" es eigentlich nicht ganz trifft, gilt der US-amerikanische Historiker Hiram Bingham heute als "Entdecker" der Anlage. Sagen wir mal so, er hat die Kunde davon, in den Westen getragen, so geschehen im Jahre 1911. Wir wollen ihm trotzdem ein paar Zeilen widmen.

Bingham erste Reise nach Südamerika war als Vertreter seines Landes beim ersten panamerikanischen Kongress 1908 in Chile. Fasziniert von Land und Leuten bereiste er darauf große Teile des Kontinents auf dem Rücke eines Pferdes. Er wandelte auf den Spuren von Simon Bolivar, bei einer anderen Gelegenheit folgte er der alten kolonialen Handelsroute von Buenos Aires nach Lima.

In der Andenregion hörte Bingham natürlich auch von den sagenhaften Schätzen der Inka. Die Legende berichtet, dass die Inka einen Großteil ihrer Schätze vor den Spaniern in Sicherheit bringen konnten, als sie sich ins sagenumwobene Willkapanpa (Vilcabamba) zurückzogen. Das Wort ist Quechua und bezeichnet einen "heiligen Ort" oder auch "Akazien-Ort". Es ist die sagenhafte letzte Feste der Inka.


Nachdem 1536 Manco Cápac II. zum Widerstand gegen die Spanier gerufen hatte, sein Versuch die Spanier zu überwältigen jedoch fehl schlug, zog er sich mit seinem Heer in die scheinbar uneinnehmbare Bergfeste zurück. Von dort setzte man den Widerstandskampf fort.

Nach seiner Ermordung führten zunächst seine Söhne den Widerstandskampf, 1570 bestieg Túpac Amaru den Thron der Inka. Seine Regentschaft stand jedoch unter keinem guten Stern. Am 24. Juli 1572 fiel die Feste und wurde zerstört.

Dem König gelang zunächst die Flucht. Mit ein paar Leuten fand er Unterschlupf bei den Maranries, einem Indianerstamm im Amazonasbecken. Durch Verrat wurde er schließlich doch noch gefasst. Trotz anderslautender Versprechungen wurde er am 24. September 1572 auf dem Plaza de Armas in Cuzco hingerichtet. Zu seiner Enthauptung versammelten sich mehrere tausend Inka-Indianer. Er war der letzte "Sohn der Sonne".

Zu Zeiten Binghams zumindest war der Glaube an den Schatz der Inka fest in den Köpfen der Andenbewohner verankert. Entschlossen, diesen Schatz zu finden, machte Bingham sich an das Studium der alten Quellen und Aufzeichnungen. Er wühlte sich durch die alten Chroniken und studierte die spanischen Archive auf Hinweise auf die Rückzugsstätte des letzten Herrschers.

Im Jahre 1911 kehrte er schließlich nach Peru zurück. Offiziell wollte er die Geologie und Botanik des Landes studieren, man darf aber wohl davon ausgehen, dass es eigentlich der Gedanke an Willkapanpa war, der ihn nach Peru brachte.

Heute nur noch eine Fußnote der Geschichte, nichtsdestotrotz wahr ist, dass ihn im Endeffekt nicht das intensive Forschen ans Ziel brachte, sondern ein Tipp des Rektors der Universität von Cusco (Albert Giesecke).

Statt Chroniken zu wälzen, betrieb er nun Feldforschung. Es gab Gerüchte über einen armen Bauern, der vorgab, auf dem Gipfel des Alten Berges Ruinen gesehen zu haben. Eine Polizeieskorte im Geleit suchte Bingham Melchor Arteaga auf und heuerte ihn als Führer an.

Arteaga führte den Amerikaner zur Hütte von Anacleto Alvarez und Toribio Recharte. Sie bewirtschafteten die wohl schon von den Inka angelegten Terrassen an den Hängen des Machu Picchu. Einer ihrer Jungen führte Bingham zum vermeintlichen Willkapanpa. Und so geschah es, dass am 24. Juli 1911 Hiram Bingham Machu Picchu "entdeckte". Er ging fest davon aus, dass er die legendäre Feste des letzten Inkas entdeckt hatte, wir wissen heute, dass dies ein Irrtum war.


Willkapanpa

Das echte Willkapampa - davon gehen wir jedenfalls aus - liegt 35 km nordwestlich von Machu Picchu inmitten von steilaufragenden Bergen zwischen den Flüssen Urubamba und Río Apurímac. Einheimische nennen die Stadt Corihuayracamba, erst 1999 entdeckte der britische Fotograf und Forscher Peter Frost den Ort bei einer Wanderung.

Er führte eine Gruppe von Archäologen in das entlegene Gebiet, als die in Vilcabamba eintrafen, war die Stadt allerdings schon geplündert worden. Neben rund 100 Gebäuden fand man ein paar Skelette, Werkzeuge und einige Tonwaren. Wenn es jemals einen Goldschatz gab, war er lange fort. Trotzdem waren die Archäologen nicht zu enttäuscht, was sie fanden war den vier Tage Fußmarsch allemal wert. Die Siedlung wurde um eine Silbermine herum errichtet, die noch bis in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts von den Einheimischen ausgebeutet wurde. Von "Entdeckung" kann man wiederum also nur bedingt sprechen.





Der Untergang der Inka

Es ist eines der großen Rätsel der Geschichte, geradezu ein Faszinosum, wie es dem Abenteurer Francisco Pizarro und seinen gerade einmal 160 Conquistadores gelingen konnte, das mächtige Inkareich innerhalb kürzester Zeit völlig zu zerstören. Das wäre fast so als wenn Liechtenstein Frankreich den Krieg erklärt, gewinnt und der große Nachbar in der Folge völlig von der Landkarte verschwindet. Die Sache ist ausgesprochen mysteriös.

Es gab natürlich mehrere Gründe für seinen "Erfolg", wie es aussieht hat Pizarro im Großen und Ganzen vor allem aber Glück gehabt. Er traf zu einem Zeitpunkt ein, als sich das Land im Bürgerkrieg befand um die Nachfolge auf dem Thron. Die Spanier stießen in ein Machtvakuum, das Land war zerrissen und geschwächt vom einem furchtbaren Bürgerkrieg.

Als Pizarro ankam, feierte Inka Atahuallpa gerade den fulminanten Sieg über seinen innenpolitischen Widersacher. Das spanische Aufgebot, 160 Conquistadores die nichts anderes waren als Abenteurer, eine gewissenlose Bande von Räuber und Schatzsuchern, trafen auf ein stehendes Heer von gut 40.000 Mann. Was macht man in so einer Situation? Eigentlich natürlich weglaufen, wenn man Pizarro heißt und verzweifelt ist, lässt man sich dagegen die Beichte abnehmen und gibt den Befehl zum Angriff.

Mit Überraschungsmoment ist, was nun folgte, kaum zu erklären. 160 berittene Spanier attackierten einen auf dem Papier immerhin 250fach überlegenen Gegner und fuhren einen überragenden Sieg ein. Es ist fast schon grotesk. Laut Überlieferung töteten und verwundeten sie fast 10.000 Soldaten des Inka und - als wenn das noch nicht genug wäre - es gelang ihnen, den Inka Atahuallpa gefangen zu nehmen. Damit lag ihnen das Land praktisch zu Füßen. Die Geschichte ist unglaublich und selbst wenn die Zahlen übertrieben sein sollten, am Ergebnis ändert es nichts. Die Spanier hatten den Fuß in der Tür und sie nutzten ihre Chance.





Nichts konnte die Spanier mehr aufhalten. Mit Glück und Geschick stolperten sie von einem Erfolg zum anderen. Sie schafften es innerhalb kürzester Zeit, dass Großreich der Inka völlig zu zerstören. Sie schreckten vor keinem Mittel zurück. Geradezu bezeichnend für ihre Vorgehensweise war die Episode mit Túpac Amaru. Die Spanier wussten genau, dass solange der Inka am Leben war, der Widerstand weitergehen würde. Sie versuchten alles, um seiner habhaft zu werden.

Da sie ihn aus eigener Kraft nicht fangen konnten, setzten sie auf Bestechung. Um seinen Leuten den Verrat leichter zu machen, versprachen sie, den Herrscher auf jeden Fall am Leben zu lassen. Immerhin war er heilig, der Sohn von Inti, der Sonne also. Und es fruchtete.

Mit einer schon fast erschreckenden Naivität glaubte man den Spaniern, Túpac Amaru wurde ausgeliefert. Natürlich scherten die Spanier sich kein bißchen um ihr Versprechen. Der König wurde spektakuklär und vor großer Kulisse hingerichtet. Man wollte ein Zeichen setzen, die öffentliche Hinrichtung war in der Hauptsache ein Statement. Der letzte Inka war tot. Mit ihm starb der Widerstand, die Hoffnung und das ganze Reich.



Die Prophezeiung des Königs

Natürlich ist man in Anbetracht einer solch unglaublichen Geschichte geneigt, nach Erklärung zu suchen. Und tatsächlich gibt es Spekulationen, die den unglaublich schnelle Aufstieg und jähen Fall der Inka vor einem anderen Hintergrund betrachten.

Dr. William Sullivan, wir wollen auf seine Person nicht weiter eingehen, verbindet die Geschehnisse mit einem Ereignis am Sternenhimmel und einer düsteren Prophezeiung. Das hört sich zunächst schräg an, ist aber eine ganz interessante Geschichte ist. Ich möchte sie daher kurz ausführen.


Als Pizarro in Peru ankam, war das mächtige Reich der Inka gerade einmal ein Jahrhundert alt. In Anbetracht der Errungen- und Hinterlassenschaften der Inka fällt das schwer zu glauben, trotzdem ist es so.

Der blitzartige Aufstieg der Inka, soll mit besagter Prophezeiung zusammen hängen, die der Vater des ersten Inka seinem Sohn mit auf den Weg gab. Diese düstere Vision besagte, dass nach fünf Generationen das Andenreich - die Inka gab es da wie gesagt noch nicht, zerstört werden würde. Die Inthronisierung des ersten Inka war demnach die Antwort auf ein sich abzeichnendes astronomisches Ereignis. Wir müssen dazu etwas weiter ausholen.

In der Mythologie der Inka gab es - wie bei vielen anderen Kulturen auch - eine große Flut. Sie zerstörte die ganze Welt mit Ausnahme eines Bauern und seiner Familie, die überlebten, weil sie den höchsten Berg bestiegen. Diese Apokalypse datierten die Priester in das siebente Jahrhundert.

Historisch betrachtet war es tatsächlich so, dass die sogenannten Wari im frühen siebenten Jahrhundert plötzlich die Macht in weiten Teilen der Anden übernahmen. Sie kamen scheinbar aus dem Nichts.

Besagter Dr. Sullivan suchte nun nach einem Ereignis am Sternenhimmel, etwas Besonderem, dass ebenfalls in diese Zeit fällt. Er wurde fündig. Tatsächlich war es so, dass erstmals in 800 Jahren man beim Sonnenaufgang am Tag der Sommersonnenwende, die Milchstraße nicht mehr am Himmel sehen konnte. Das hört sich nicht besonders spektakulär an, für die Priester bedeutete es nicht weniger, als dass die Tür zum Land der Götter geschlossen worden war - eine Katastrophe.

Im Jahre 1432 fanden die Astronomen der Tawantinsuyo heraus, dass in absehbarer Zukunft ein ähnliches Ereignis stattfinden würde, nur schlimmer. Tawantinsuyo ist der eigentliche Name der Kultur, das Wort Inka beschreibt eigentlich nur den Herrschertitel. Die Astronomen berechneten, dass in weniger als einem Jahrhundert, das Sternbild, welches in der Kosmologie der Tawantinsuyo das Reich der Toten symbolisierte, herauswandern würde aus der Milchstraße.

Die Milchstraße war die Brücke zum Reich der Toten und wenn die Verbindung erst mal unterbrochen war, bedeutete dies, dass Tor zum Reich der Toten zuschlagen würde. Offenbar beruhte die düstere Prophezeiung genau dieser Prognose der Astronomen.

Der rituelle Austausch mit den Vorfahren, die Verbindung zum Land der Toten war essentiell für die Religion der Anden, dass das Tor zum Reich der Toten zugeschlagen werden würde, war nicht hinnehmbar. Es ist also vorstellbar, dass die "Erfindung" des Inka, das Einsetzen eines Sohnes der Sonne ausschließlich dazu diente, zu verhindern, dass dieses Ereignis stattfindet.

Deswegen die verzweifelte Anstrengung, deswegen die Hast. Schließlich hatte man nur fünf Generationen, um die Götter gnädig zu stimmen, das Ereignis zu verhindern. Die Stämme wurden geeint, jedes Jahr wurden Menschenopfer gebracht mit der Bitte an das Totenreich, doch zu verhindern, dass die Erdachse kippt. (Tatsächlich steckt die Taumelbewegung der Erdachse hinter dem Ereignis.)


Was die Sache nun wirklich interessant macht ist, dass die Spanier just in dem Moment auftauchten, als die Prophezeiung sich erfüllen sollte. Es kann durchaus also sein, dass sie Priestern und Inka als gottgesandte Strafe für Ihren Versuch erschienen, den Gang der Ereignisse zu manipulieren. In Anbetracht der unglaublichen Dynamik der Kultur und dem plötzlichen Fatalismus, mit dem man sich in den Abgrund stürzen ließ, könnte sogar etwas dran sein an dieser Theorie. Dass Dr. Sullivan in der Wissenschaftlergemeinde wenig Anhänger hat, bedarf keiner Erwähnung.


Der Alte Berg

Nach so viel Geschichte und Spekulation ist es Zeit, zum eigentlichen Helden der Veranstaltung zurück zu kehren. Machu Picchu, der Alte Berg.


Allem Anschein nach gelang es den Spaniern zu keinem Zeitpunkt ihrer Besatzung, Machu Picchu ausfindig zu machen. Es scheint fast so, als hätten sie auch keine Kenntnis von dem Ort gehabt. Das könnte zwei Gründe gehabt haben. Entweder war das Wissen um den Ort schon bei ihrer Ankunft verloren oder Machu Picchu war von jeher einen ganz spezielles Plätzchen, eine geheime Stätte der Begegnung und des Ritus. Auf letztere Möglichkeit würde ich mein Geld wetten.

Die vielen architektonisch herausragenden Tempel sind ein Indiz, dass es sich um einen ganz besonderen Ort gehandelt hat. Sie sind zugleich stärkstes Indiz dafür, dass die Spanier den Ort nie betraten. Überall sonst wurden die Tempel zerstört. Eventuell entging der Ort der Entdeckung, weil nur herausragende Personen, ein kleiner Kreis sozusagen, überhaupt davon wussten.





Da Verrat offenbar gang und gebe war, müsste es schon als ein kleines Wunder erscheinen, wenn ausgerechnet ein so exponierter Ort, der Aufmerksamkeit der Besatzer entging. Es bleibt eine Vermutung, aber es macht wohl Sinn, dass es in der breiten Masse des Volkes kein Wissen um Machu Picchu gab.

Tempel in Machu Picchu


Worum genau es sich bei der "Bergfeste" handelt, ist nicht vollständig geklärt. Ins Auge sticht die strategisch günstige Lage, allerdings ist man in Anbetracht der Fundsituation und Anlage des Ganzen geneigt, es eher als religiöses Zentrum zu betrachten. Die peruanischen Archäologen gehen davon aus, dass es sich zwar um eine regionales aber doch von Cusco abhängiges Zentrum gehandelt hat. Vorstellbar wäre eine Art "hoher Tempel".

Erbauen ließ die Anlage nach relativ einhelliger Überzeugung der Inka Pachakuteq. Er gilt als der wohl größte Staatsmann in der Geschichte der Tawantinsuyo (Inka). Pachakuteq regierte zwischen 1438 und 1471 und in dieser Zeit scheint auch Machu Picchu erbaut worden zu sein. Sowohl Radiokarbondatierung als auch stilistische Analysen und Architekturtypus deuten dies an. Die Epoche wird auch als Imperial Inka bezeichnet.

Während der Blütezeit haben vermutlich um die 1000 Menschen in der Anlage gelebt. Wenn die dort gefundenen Mumien einigermaßen repräsentativ sind, müssen um die 80 Prozent Frauen auf Machu Picchu gelebt haben. Letzte Gewissheit werden wir nicht erlangen, aber es gibt ausreichend starke Indizien, die auf ein sogenanntes Aqllawasi hindeuten, ein Haus der erwählten Frauen.

Das muss man wohl kurz erläutern. Die schönsten und tugendhaftesten Frauen des Volkes wurden zu Ehefrauen der Sonne erkoren. Es war eine hohe Ehre. Und nicht nur das, allenthalben wird auch vermutet, dass alle oder wenigstens die meisten von ihnen zugleich auch Ehefrauen des Inka waren. Es würde Sinn machen. Der Inka war vom Titel her der Sohn der Sonne, man könnte sagen die Epiphanie derselben auf Erden.

In der Vorstellung der Tawantinsuyo war er ein lebender Gott und es ist durchaus überliefert, dass es für einen Inka normal war, mehrere hundert Ehefrauen und Kinder zu haben. Sein Hauptfrau allerdings, die Mutter des nächsten Inka, musste seine Schwester sein. Nur so wurde das Blut reingehalten, dass ihn zum Auserwählten machte, ihn erhob über das gemeine Volk.


Der Niedergang

Warum die Stadt schließlich aufgegeben wurde, ist bisher nicht zufriedenstellend geklärt worden. Eine mögliche Antwort wäre, dass der Ort sehr eng mit dem Herrscher verbunden war und deshalb nach seinem Tod aufgegeben wurde. Der Aufwand mag beträchtlich sein, doch es ist durchaus vorstellbar, dass der Ort verlassen werden musste, auf das er für ewig Pachakuteq gehören würde.

Machu PicchuEs gibt natürlich auch etwas pragmatischer Vorschläge. Demnach hing die Aufgabe von Machu Picchu mit sich ändernden Umwelteinflüssen zusammen. Vorstellbar wäre, dass eine Epidemie ausbrach oder etwas vergleichbares. Aus der Gegend sind wiederkehrende Ausbrüche zum Beispiel von Malaria kolportiert. Im Allgemeinen gibt es auf dem Machu Picchu keine Insekten, eine plötzliche Invasion von Moskitos könnte die Bewohner vertrieben haben. Ob das ein mögliches Szenario sein kann, hängt sicherlich damit zusammen, ob Moskitos in immerhin 2360 Höhe vordringen können. Das kann ich nicht beurteilen.


Auch eine dritte Theorie gibt sich eher pragmatisch. Sie vermutet, dass die Siedlung überfallen wurde. Ein denkbarer Kandidat wären die Antis, ein kriegerischer Stamm aus dem Amazonasgebiet. Sie waren so etwas wie der Erzfeind der Tawantinsuyo (Inka). Vielleicht entdeckten Sie die Stadt zufällig, überfielen sie und richteten ein Massaker an. Archäologisch fassbar ist ein solcher Überfall nicht wirklich, allerdings kann man das Szenario auch nicht ausschließen.

Wie genau es vor sich ging, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben, fest steht, dass der Ort verlassen wurde und dem Vergessen anheim fiel. Machu Picchu wurde zu einer "Lost City". Unberührt von Menschenhand für Jahrhunderte, entschwand es ins Reich der Mythen. Eigentlich noch nicht einmal das. Da niemand Kenntnis hatte von dem Ort, verschwand er einfach völlig aus dem Bewusstsein der Menschen.

Das blieb so bis ins 20. Jahrhundert und dem Besuch Binghams. Nun ist es mit der Ruhe freilich vorbei. Für Hunderttausende ist ein Besuch in der verlorenen Stadt ein Lebenstraum. Als Teil des Unesco Weltkulturerbes genießt die Stätte heute einen gewissen Schutz. Bleibt zu hoffen, dass die peruanischen Behörden auch wirklich alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, dieses Wunderwerk von Menschenhand zu erhalten.

#Bauwerk #Neue Wunder